KOLUMBUS, Christoph. Italiener (Cristoforo Colómbo), bekannt unter dem spanischen Namen Cristóbal Colón, der »Entdecker Amerikas«, wurde in Genua zwischen dem 25.8. und 31.10. 1451 geboren und starb am 20.5. 1506 in Valladolid in Spanien. Mit Hilfe der Seekarte des Florentiner Kosmographen Paolo dal Pozzo Toscanelli (1397-1482) wollte K. aufgrund der Schriftstücke von Toscanelli aus dem Jahre 1474, die in den Jahren 1480 bis 1482 in seine Hände kamen und ihm als Wegleitung für seine Reisen dienten, Indien durch die Westfahrt erreichen. Im Prolog zum Bordtagebuch beschreibt er sein Unternehmen als Missionsreise in die Länder Indiens und dem Fürsten »der Großchan genannt wird«, um sie zu »unserem heiligen Glauben« zu bekehren. K., der sich die Titel »Don«, » Admiral«, » Gouverneuer« und »Vicekönig« bereits vor seiner ersten Fahrt verbriefen ließ und sich darüber wie ein Kind freute, wurde von den verschiedensten und widersprechendsten Beweggründen zu seinen Reisen getrieben: Sein Goldhunger war sprichwörtlich; K. forderte von allen Einnahmen aus Gold, Silber, Edelsteinen und Gewürzen den Zehnten für sich, sowie die Zusicherung, daß die vom Königspaar für den »ersten Entdecker des Landes« ausgesetzten 10 000 Meravedis K. zugesprochen wurden, obwohl der Matrose Rodrigo de Triana zuerst das Land gesehen hatte.
Cristóbal Colón der Entdecker Amerikas
Neben der Sucht nach Ruhm, Macht, Geld und Ehre stand eine tiefe, ehrliche Frömmigkeit
K. betonte stets ein religiöses Motiv für seine Entdeckungsreisen mit dem Hinweis auf die Herkunft seines Vornamens »Cristoforo« (Christusbringer), denn er habe vielen neuen Völkern die Kunde von Christus gebracht. Seine Eintragungen im Bordbuch beginnen mit dem Satz: »Im Namen unseres Herrn Jesus Christus«. In einem Schreiben an den Papst 1502, erklärte K. seine Reisen als Fortsetzung der zweihundert Jahre zuvor ruhmlos zu Ende gegangenen »Kreuzzüge« (1096-1291), denn er wolle durch seine Entdeckungen die Mittel zur Eroberung des Heiligen Landes beschaffen. Nachdem die portugiesische Regierung seinen Plan abgelehnt hatte, ging K. 1484 nach Spanien und konnte mit der spanischen Königin Isabella von Kastilien am 17.4. 1492 einen Vertrag schließen. Am 3.8. 1492, im gleichen Jahr, in dem die letzte maurische (muslimische) Stadt von den Spaniern erobert wurde, segelte K. mit drei Karavellen von Palos aus in Richtung Westen und erreichte auf seiner ersten Fahrt (1492-1493) trotz heftigen Widerstandes seiner nicht mehr an einen Erfolg glaubenden hundertzwanzigköpfigen Schiffsmannschaft am 12. Oktober 1492 die Bahama-Insel Guanahani, die er San Salvador taufte. Unter den Mitfahrern war auch der Adelige Don Francisco Las Casas, der Vater von Bartolomé de Las Casas, der (spätestens) 1497 wieder nach Sevilla zurückkehrte. Kuba erreichte K. am 28.10. und Haiti (Espanola) am 6.12. 1492. Eine Besatzung von 39 Mann blieb im Fort Natividad zurück und wurde später, da sie sich schlecht gegenüber den Indios benahmen, von diesen umgebracht. Haiti und Kuba wurden die Hauptstationen für spätere weitere Eroberungen und Erschließungen. Trotz des klaren Verbotes der Königin Isabella brachte K. einige Indios als Sklaven mit, denn, so schrieb K. am 12.10. 1492 nach dem ersten Zusammentreffen mit den Indianern von Guanahani nieder: »Sie könnten als hervorragende und kluge Sklaven gute Verwendung finden… und ich glaube, daß man sie leicht zu Christen machten könnte; weil sie keinerlei Sekte angehören«. Das Volk sei im Waffenwerk sehr unerfahren und »mit 50 Mann vermöchte man sie alle im Zaume zu halten und könnte mit ihnen anfangen, was man wollte«, berichtet Bartolomé de Las Casas in seinen Auszügen aus dem Bordbuch von K. und meint, daß der Admiral und die anderen »sogenannten Christen« solche Gedanken nicht gehegt hätten, wenn sie das göttliche Recht ebenso gut gekannt hätten wie die Kosmographie. Die Königin verbot die Sklaverei in einer am 25.5. 1493 an K. übermittelten Instruktion ausdrücklich. Die zweite Reise, die K. am 25.9. 1493 mit 17 Schiffen und 1500 Mann begann, führte ihn auf die Inseln Porto Rico, San Juan Bautista, Jamaica (Santiago) und die Kleinen Antillen (Karibische Inseln) Am 3.11. 1493 entdeckte er die Insel Dominica, dann Guadeloupe. Auf den Kariben floß das erste Indianerblut. K. kehrte 1496 wieder nach Spanien zurück. Die dritte Reise begann am 30.5. 1498 mit sechs Schiffen und führte zur Entdeckung der Insel Trinidad und am 1.8. 1498 der Orinocomündung an der Küste Südamerikas. In Haiti hatte die Kolonisierung unter der Leitung der beiden Brüder Ks. schreckliche Folgen gezeitigt. Als dann im Juni 1500 zwei spanische Schiffe mit 300 Indianersklaven in Spanien eintrafen, war die Königin, »eine der großen Frauengestalten der Geschichte«, die in verschiedenen Erlassen (20. und 28.9. 1477; 6. und 20.2. 1478 und 25.11. 1478) die Sklaverei unter Androhung schwerer Strafen verboten hatte, entsetzt und befahl die sofortige Rückführung der Sklaven in ihre Heimat. So mußte auch der junge Bartolomé de Las Casas seinen ihm vom Vater mitgebrachten Sklaven wieder zurückgeben. Kolumbus wurde aller seiner Ämter enthoben und zusammen mit seinen beiden Brüdern gefesselt von dem im Jahre 1500 mit Vollmachten nach Haiti entsandten Bobadilla nach Spanien zurückgebracht, wo er sich jedoch bald rechtfertigen konnte. Er wurde 1500 wieder in seine Ämter eingesetzt. Am 9.5. (andere Angaben 11.5) 1502 trat K. mit vier Schiffen seine vierte Reise an. Mitglied der Besatzung war der junge Bartolomé de Las Casas (1474/84-1566), der an der Universität von Salamanca das Studium der Theologie und der Rechte aufgenommen hatte und 1511 als erster Priester in Lateinamerika in Santo Domingo seine Primiz feierte. Sie führte K. nach Honduras, Nicaragua und Panama. Vergeblich suchte er eine Durchfahrt zum Stillen Ozean. K. mußte umkehren und erlitt an der Küste Jamaikas Schiffbruch. Krank und enttäuscht, daß er die frühere Gunst der Katholischen Könige verloren hatte, traf er schließlich am 7.11. 1504 wieder in Spanien ein. Anderthalb Jahre nach dem Tode seiner einstigen Beschützerin Königin Isabella starb K am 20.5. 1506 vereinsamt und verbittert, so sein Sohn Fernando, über den Verlust der Statthalterschaft in den überseeischen Besitzungen zu Valladolid in der festen Überzeugung, die japanischen Inseln betreten und den Westweg nach Indien entdeckt zu haben. Bei aller katholischen Frömmigkeit mangelte es ihm an wahrer christlicher Gesinnung, wie die Behandlung der Indios und seine Habsucht und Ehrgeiz deutlich zeigen. Das Kreuz war für ihn vor allem Symbol für Profit (Plus). K. ist seit 1899 in Sevilla beigesetzt. Der älteste Sohn Diego wurde (wahrscheinlich) 1478 geboren und starb 1526. Er wurde nach seines Vaters Tod »Admiral von Indien« und erhielt 1520 den Rang eines Vizekönigs. Die achtzehnjährige Spanierin Beatriz Enriquez de Arana zu Córdoba gebar am 15.6. 1488 den Sohn Fernando. Seine Brüder Bartolomeo und Diego setzte K. als Statthalter von Haiti ein; Bartolomeo (1460-1514) gründete 1496 die Stadt Santo Domingo auf Haiti. Das Dominikanerkloster in Santo Domingo wurde später Zentrum der Kolonialismuskritik der Dominikaner, deren bedeutendster Vertreter, Bartolomè de Las Casas, als Dominikanermönch in diesem Kloster in den Jahren 1522-1530 wichtige Schriften gegen die mit K. begonnene Kolonialpolitik verfaßte.
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