Patrick Süskind – Das Parfum
Die Geschichte eines Mörders
Inhaltsverzeichnis
1. Der Autor Patrick Süskind | Biographie
2. Inhaltsangabe u. Leseprobe
3. Charakterstudie des Jean-Baptiste Grenouille
4. Gegenwartsbezug
5. Bauformen des Autors | Sprache und Stil
6. Persönliche Meinung
7. Quellen:
- Königs Erläuterungen und Materialien Band 386 C. (Bange Verlag – Hollfeld)
- Das Buch – Patrick Süskind – „Das Parfüm“ Die Geschichte eines Mörders
- Das Hörbuch – Patrick Süskind – „Das Parfüm“ Die Geschichte eines Mörders (Vorgelesen von Gert Westphal)
Deutsch Referat am Mittwoch den, 05. März 2008 von Oliver Schmid
Der Autor Patrick Süskind | Biographie
- Patrick Süskind wird am 26. März 1949 in Ambach am Starnberger See geboren. Der Vater war Schriftsteller, Übersetzer und politischer Redakteur bei der “Süddeutschen Zeitung” Süskind wächst in Holzhausen, einem kleinen bayrischen Dorf auf. Dort besucht er die Dorfschule und später das Gymnasium.
- Nach seinem Abitur und Zivildienst studiert er von ‘68 bis ‘74 in München, wie sein Vater, Geschichte. Ein Auslandstudienjahr verbringt Süskind in Aix-en-Provence, wo er sich mit der französischen Sprache und Kultur vertraut macht. Danach lebt er von Gelegenheits-jobs und schreibt Drehbücher und kleine Prosastücke, die aber zunächst nicht veröffentlicht werden.
- Mit der Uraufführung seines einaktigen Monologs “Der Kontrabass” im Münchner Cuvilliée gelingt Süskind 1981 schlagartig der Durchbruch. Mit über 500 Aufführungen und über zwanzig Inszenierungen wird ‘Der Kontrabass’ zum meistgespielten Theaterstück der Saison 1984/85 im deutschsprachigen Raum und auch zu seinem ersten internationalen Erfolg.
- Mitarbeit an zwei erfolgreichen Fernsehserien. “Monaco Franze.”(1983) u. “Kir Royale.”(1987) Auch der Kinofilm “Rossini”, den Süskind zusammen mit Regisseur und Freund Helmut Dietl geschrieben hat wird in dieser Zeit verfilmt.
- Sein Roman “Das Parfum” macht ihn 1985 endgültig zu einem der weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Schriftsteller der deutschen Gegenwartsliteratur. Dieser Roman ist nicht nur ein Bestseller, sondern auch ein Longseller: Neun Jahre lang hällt er sich auf der Spiegel-Bestsellerliste. Süskinds Verlag startet die erste Auflage mit über 100 000 Exemplare, die bereits nach wenigen Monaten vergriffen ist. Inzwischen wurde der Roman in 33 Sprachen übersetzt und über acht Millionen Mal verkauft.
- 1987 wird Süskinds Erzählung “Die Taube” veröffentlicht, deren Hauptfigur der Bankwachmann Jonathan Noel ist.
- 1991 erschien “Die Geschichte von Herrn Sommer” Die Kindheit, die hier erzählt wird, weist einige Parallelen zur Kindheit des Autors auf. Laut der These des “Spiegels” ist die Geschichte des menschenscheuen Herrn Sommers “mehr die Geschichte von Herrn Süskind selbst”.
Süskinds Sonderlinge empfinden ihre Umwelt als bedrohlich und leben zurückgezogen in engen Räumlichkeiten. Der Kontrabass-Spieler in einem Schall-isolierten Raum, der Wachmann Noel in einer kleinen Dachkammer. Grenouille verbringt sieben Jahre seines Lebens in einer Höhle unter der Erde und der Ich-Erzähler aus der “Geschichte von Herrn Sommer” lebt einen großen Teil seines Lebens auf Bäumen. Süskinds “Antihelden” haben alle Schwierigkeiten, sich in der Welt und im Umgang mit ihren Mitmenschen zurechtzufinden.
Trotz Patrick Süskinds literarischen Berühmtheit ist über den Menschen Süskind nur wenig bekannt. Er legt keinen Wert auf Popularität, er tritt selten in der Öffentlichkeit auf und gibt grundsätzlich keine Interviews. Er lebt zurückgezogen in München, Paris und Montolieu.
Inhaltsangabe
Am 17. Juli 1738 wird Jean-Baptiste Grenouille in Paris geboren. Seine Mutter ist eine ledige Fischerin, die in ihm nur ein Stück Fleisch sieht, das sie so schnell wie möglich los werden will. Der Versuch scheitert, sie wird als Kindsmörderin geköpft. Das Kind hat von Geburt an einen hoch entwickelten Geruchsinn aber keinen Eigengeruch.
Grenouille kommt in die Obhut von Ammen, die ihn alle nach wenigen Wochen oder Tagen wieder weitergeben, da er zu gierig ist und ihnen somit den Lebensunterhalt stiehlt. Die letzte Amme Jeanne Bussie bringt das Baby zu Pater Terrier, da es wie sie meint vom Teufel besessen ist, weil es keinen Geruch hat. Auch dem Pater ist die Anwesenheit des Kindes unangenehm, er bringt Grenouille bei Madame Gaillard in einem Kinderheim unter.
Hier gedeiht Grenouille prächtig, denn Madame Gaillard ist gefühllos und hat auch die Fähigkeit zu riechen eingebüßt. Somit fällt ihr an ihrem neuem Schützling nichts weiter auf als das er extrem häßlich und robust ist. Er überlebt schwere Unfälle und Krankheiten, auch Mordanschläge seiner Kollegen, welchen Grenouilles Anwesenheit aus ihnen selbst unbekannten Gründen unangenehm ist. Er lernt die Sprache nur langsam entwickelt aber einen enormen Geruchssinn. Er unterscheidet Holzarten nach dem Geruch, riecht wer sich in welchem Raum befindet und kann schon Stunden vorher „erriechen“, wer zu Besuch kommen wird.
Mit acht Jahren kommt Grenouille zu dem Gerber Grimald in die Lehre. An seinen freien Tagen beschäftigt er sich damit Paris olfaktorisch zu erfassen.
Eines Tages weht ihm der Wind ein Duft von besonderer Feinheit in die Nase. Der Duft geht von einem Mädchen aus, und um diesen Duft vollends in sich aufsaugen zu können, tötet er das Mädchen. Er will ihren Duft besitzen. Dank diesem Geruch ist Grenouille in der Lage, die bisher gesammelten Gerüche systematisch zu ordnen und planvoll Geruchskombinationen zu entwickeln. Durch diesen ersten Mord macht Grenouilles Persönlichkeitsentwicklung einen Sprung. Er hat nun ein Ziel vor Augen: Er will Schöpfer von Düfte werden.
Er schaffte es sich bei Baldini einem berühmten Pariser Parfumer einzunisten. In seiner ersten Nacht bei diesem stirbt Grimald. Baldini nützt Grenouilles einmalige Fähigkeiten natürlich wirtschaftlich aus, und kommt, dank seinem neuen Lehrling, zu unvorstellbarem Reichtum. Für Grenouille ist nur eines interessant: Er will lernen Stoffen ihren Duft zu rauben. Als er erkennt dass man mit Hilfe der Destillation nur manchen Stoffen den Duft entreißen kann, wird er sterbenskrank. Sein Zustand bessert sich erst wieder als er von Baldini eine Gesellenbrief erhält und die Zusage, dass es in Grasse noch andere Methoden gibt um Stoffen ihren Duft oder wie Grenoiuille es sieht, ihrer Seele zu berauben. Er verläßt Baldini und als er sich aus Paris entfernt, stirbt Baldini mitsamt seinen Reichtümern durch eine Überschwemmung.
Auf seinem Weg nach Grasse wird er zunehmend nervös. Er hält den Geruch der Menschen oder vielmehr ihren Gestank nicht mehr aus. Er flüchtet auf einem Vulkan im zentral Massiv. An einem Ort der absoluten Geruchlosigkeit erträumt sich Grenouille Millionen von Gerüchen und Geruchskombinationen. Er lebt dort glücklich bis er zu der grausamen Erkenntnis kommt das er selbst keinen Geruch hat. Er verläßt die Höhle.
In seinem verwilderten Zustand gelangt Grenouille zum Marquise de la Thaillade, der ihn als lebenden Beweis für die von ihm entwickelt e Theorie vom „Fluidum letale“ betrachtet. Er macht aus Grenouille optisch wieder einen Menschen und gliedert ihn in die Gesellschaft ein. Grenouille mischt sich aus verschiedenen Zutaten einen Menschengeruch, dessen Wirkung erfolgreich ist. Zum ersten Mal wird er von den Menschen als ihres gleichen akzeptiert. Grenouille faßt den Entschluß, Menschen zu beherrschen und sie durch ein Parfum dazu zu bringen, ihn zu lieben.
Grenouille zieht weiter nach Grasse. Dort weht ihm der Wind abermals einen einmaligen Geruch in die Nase. Wieder geht der Geruch von einem Mädchen aus. Doch Grenouille tötet sie nicht, er wartet zwei Jahre bis sich der Duft des Mädchens vollständig entwickelt hat. In der Zwischenzeit erlernt er die Kunst der enfleurage, nun kann er sich Düfte aneignen.
Aus Angst den Duft des Mädchens zu verlieren wenn das daraus hergestellte Parfum verbraucht ist, entschließt sich Grenouille, den Duft des Mädchens als kostbaren Edelstein in ein Duftdiadem einzubauen. Die Basis für dieses Duftdiadem sollen ihm 24 Mädchen liefern, die er in der folgenden Zeit tötet, um ihren Duft zu ernten. Auf Grund der Morde entsteht eine große Unruhe im Volk. Antoine Richis der Vater des Mädchens, erkennt zwar nicht das Motiv, durchschaut aber das System der Morde und ahnt, dass seine Tochter Laure das nächste Opfer ist. Er flieht mit ihr aufs Land, doch Grenouille bemerkt das Fehlen ihres Geruches und verfolgt sie. Er ermordet sie in einem Gasthaus und enfleuriert das Mädchen. Auf Grund der polizeilichen Ermittlungen wird Grenouille verhaftet.
Sein Hinrichtung wird vorbereitet wie ein Volksfest. Als Grenouille am Tag der Hinrichtung vor die Menschenmassen tritt, besprenkelt mit dem fertiggestelltem Parfum, glaubt niemand mehr, dass er der Mörder sein kann. Das Parfum entfaltet seine Wirkung. Alle Menschen lieben ihn plötzlich, die geplante Hinrichtung entwickelt sich zur Massenorgie. Diesen Triumph kann Grenouille aber nicht genießen. Er ekelt sich vor den Menschen, hasst sie und möchte einen Widerhall dieses Hasses spüren. Doch genau das vereitelt ihm sein Parfum. Als ihn auch noch Antoine Richis bittet, ihn adoptieren zu dürfen fällt er in Ohnmacht.
Grenouille verläßt Grasse und kehrt zurück nach Paris. Dort versammeln sich nachts Diebe und Mörder. Als Grenouille, der sich mit dem Parfum übergossen hat, in ihre Mitte tritt, erscheint er dem Gesindel plötzlich wie ein Engel. In einem kanibalischen Akt stürzten sie sich auf Grenouille und zerhacken ihn in 30 Teile und fressen ihn auf. Er ist vom Erdboden verschwunden. Die Kannibalen jedoch haben „zum ersten Mal etwas aus Liebe getan.“
Charakterstudie:
Jean-Baptiste Grenouille
Die Hauptfigur des Romans, Jean-Baptiste Grenouille, ist mit Merkmalen, Verhaltensweisen und Eigenschaften ausgestattet, die für mindestens zehn Figuren eines Horrorromans gereicht hätten.
Es scheint, als könne er als Kind mit der Nase sehen. Er verschlingt alles mit seinem Riecher, der das Sehen und Hören eigentlich überflüssig macht. Seine Augen, ein Gemisch von “unbestimmter Farbe, zwischen Austern-grau und Opal-weiß-cremig” können keine Menschenaugen sein. Laut Pater Terriers Feststellung ist Grenouille ein “feindseliges Animal”.
Auch beim Gerber Grimal kann man das “animalische” Verhalten Grenouille verfolgen. So wird er von “Jagdlust” gepackt und durchstreift Paris, sein “Jagdgebiet”, “mit geblähten Nüstern, still wie ein Raubfisch” nach neuen Gerüchen.
Nach seinem ersten Mord, als er eine Entwicklung zum Menschlichen macht, hat Grenouille noch animalische Seiten an sich. So wandert er auf dem Weg nach Grasse bei Nacht immer der Nase nach, da ihn das “Sehen mit den Augen” Schmerzen bereitet.
Von Geburt an erscheint das Tier Grenouille den Menschen als die Verkörperung des Bösen. Er kommt bereits ungeliebt auf die Welt. Einem Urteil zufolge ist Grenouille “vom Teufel besessen”.
Der teuflische Grenouille kommt insbesondere durch sein Aussehen ans Tageslicht. Sie verkrüppelter Fuß, seine Narben, die der Milzbrand zu Folge hatte und sein Buckel lassen Grenouilles Erscheinungsbild auf den Menschen unheimlich wirken.
Aber auch sein Verhalten ist für die “Normalen” angsteintreibend. So weiß Grenouille, dass eine Raupe im Blumenkohl ist, bevor der Kopf geteilt ist und kommt auch im dunklen Keller auch ohne Kerze zurecht.
Menschliche Wärme benötigt Grenouille anscheinend auch nicht, er selbst ist durch und durch kalt und lebt nur auf Distanz zu anderen Menschen, ja, sogar isoliert.
Er gibt nicht an seine Umwelt ab “als seinen Kot” und führt das Leben eines “resistenten Bakteriums”. Er ist Grenouille, das “Animal”.
Der Zeck ist in der ersten Hälfte des Roman ein wichtiger Vergleich zu Grenouille und verdeutlicht sein zweites Gesicht. Dabei ist der Hinweis auf den “zeckischen” Charakter Grenouilles immer mit besonderen, zum Teil lebensnotwendigen Momenten in Grenouilles Leben oder mit neuen Lebensabschnitten verbunden.
Besonders die Gemeinsamkeiten zwischen der Existenzweise einer Zecke und dem Leben Grenouilles sind auffallend. Beide halten sich im Hintergrund, leben zurückgezogen und unauffällig, halten ihre eigenen Interessen zurück, bis der Zeitpunkt kommt, diesen Interessen nachzugehen. Der Vergleich zwischen einer Zecke und Grenouille wird zum Beispiel verdeutlicht, als Grimal seinem Gerbergehilfen einige Freiheiten zugesteht. Grenouille beginnt das Geruchsrevier Paris zu erobern: “Die Zeit des Überwinterns war vorbei. Der Zeck Grenouille regte sich wieder. Er witterte Morgenluft. Die Jagdlust packte ihn”.
Am Ende taucht der Zeck-Vergleich nicht mehr auf. Vielleicht ein Deut auf Grenouilles Entwicklungsfortschritte zur Menschwerdung. Schließlich wird er immer menschenähnlicher, der Vergleich mit einem Zeck halt den neuen Verhaltenweisen Grenouilles nicht mehr stand.
Zum Schluss ist er für seine Mörder nicht einmal mehr Mensch, sondern ein “Engelsmensch”, ja sogar ein “Engel”.
Gegenwartsbezug
Das Parfum“ bietet viele Aspekte zur Diskussion und Interpretation. So etwa Partick Süskinds Parodie auf die Aufklärung, die Rolle der Gerüche in unserer Welt, aber vor allem der Hauptdarsteller Grenouille. Er wird nicht wie die meisten anderen Mörder der Literatur durch äußere Einflüsse, Rache oder schwere Schicksalsschläge zum Mörder, nein, er ist von Geburt an „anders“. Egal wie Grenouilles Leben verlaufen wäre, er hätte nie ein normales bürgerliches Leben führen können. Er war dafür zu genial, zu „unmenschlich“. Von Geburt an wird er von den Menschen ausgegrenzt , da er keinen Eigengeruch hat. Und gerade diese Theorie fasziniert mich am meisten an dem Buch.
Wie oft kommt es vor das wir Menschen kennenlernen und wir uns meist binnen Sekunden entscheiden ob sie uns sympathisch sind oder nicht. Meist können wir unsere Gefühle nicht begründen, wir wissen nicht warum wir diesen Mensch nicht mögen. Nicht umsonst sagt man „ich kann Dich nicht riechen“ Durch dieses Buch ist mir bewußt geworden das Gerüche in unsere Welt eine viele Größere Rolle spielen als wir glauben. Und hier sehe ich auch einen deutlichen Gegenwartsbezug. Gerüche haben im Mittelalter keine größere oder kleinere Rolle gespielt als heute. Sie sind etwas bestandhaftes, etwas trendloses. Menschen wollen gut riechen. Die Parfumindustrie boomt. Immer werden neuere und bessere Düfte entwickelt, aber die Grundstoffe, die Basis, aller neuen Düfte bleibt immer die gleichen. Man kann die Farben nur neu mischen, nicht neue erfinden.
Ein weiterer Punkt der mich beschäftigt hat sind die mysteriösen Umstände unter denen Grimald, Baldini, der Marquis und auch Grenouilles Mutter und schließlich er selbst sterben. Grenouilles Mutter wird durch den Schrei Grenouilles des Kindesmordes überführt, Grimald fällt betrunken in einen Fluß und ertrinkt nur Stunden nach dem Grenouille ihn verlassen hat. Und kaum das Grenouille Baldini den Rücken kehrt, wird er und sein Haus als einziges von ganz Paris von einer Überschwemmung mitgerissen. Der Marquis sucht am Gipfel eines Berges das ewige Leben und die Bestätigung seiner Theorie und überlebt die eisige Kälte des Berges keine 2 Tage. Und Grenouille selbst stirbt letztenendes an seiner Genialität. Sein Parfum war sein Tod, und das wurde ihm klar in dem Moment als er seine , für ihn, fatale Wirkung erkannte. Denn er konnte nun zwar die `Menschen beherrschen, sie liebten ihn, aber er wollte nicht geliebt werden denn ihm selbst ist Liebe fremd. Er haßt die Menschen und will auch von ihnen gehaßt werden. Grenouille erlebt im Moment seines großen Triumphes seine innere Katastrophe. Im Moment seiner größten Machtfülle über die Massen ist er der einsamste Mensch der Welt.. Und auch Grenouilles Tod ist ,wie so vieles in dem Werk, paradox und ironisch. Durch einen Menschen dem nie Liebe vermittelt wurde und der selbst nie lieben konnte, durch sein Werk , sein Parfum, begehen ruchlose Kannibalen zum ersten mal etwas aus Liebe. Sie begehen einen Mord aus Liebe. Das ist eines der vielen Paradoxen die das Buch bereithält.
Den tragischen Tod all der Leute die Grenouille im Laufe seines Leben kennenlernte, interpretiere ich als eine Art Strafe. Alle bis auf Richis (über dessen Tod wir nichts wissen) haben Grenouille ausgenutzt um finanziellen Nutzen aus ihm zu ziehen. Ihr tragischer und früher Tod ist die gerechte Strafe für ihre Habgier und Rücksichtslosigkeit.
Bauformen des Autors
Die Geschichte eines Mörders“ wird, unter nahezu vollständigem Verzicht auf die Elemente moderner Romane wie Montage, Rück- und Vorblenden, Perspektivwechsel, innerer Monolog u.a. weitgehend einsträngig chronologisch erzählt. Der Roman beginnt mit Grenouilles Geburt und endet mit dessen Tod, die erzählte Zeit beträgt einen Zeitraum von rund 29 Jahren. Somit ergeben sich Raffungen, denn die Erzählzeit ist wesentlich kürzer als die erzählte Zeit. Der auktoriale Erzähler gliedert die Geschichte von einem allwissenden Standpunkt aus. Er wendet sich gelegentlich in Kommentaren, die manchmal einen ironischen Unterton haben, an die Leser. Der Erzähler verwendet überwiegend die Form des Erzählerberichts, wobei Ereignisse, Figuren Räume ebenso beschrieben werden wie die Gedanken und Empfindungen der Figuren. Der Autor verwendet außerdem verschiedene Formen der Personenanrede. Eine Besonderheit stellt die( wie die Szene eines Theaterstücks) angelegte Passage des Romans dar, in der das Gespräch zwischen Baldini und Pelissier im Figurendialog präsentiert wird. Der Roman ist in 4 unterschiedliche Teile gegliedert: Der erste Teil handelt von Grenouilles Kindheit und seiner Zeit bei dem Gerber Grimlald und Baldini dem Parfumer und ist in 22 Kapitel gegliedert. Im zweitem Teil wird Grenouilles Leben in der Einsamkeit der Berge geschildert und erstreckt sich über 12 Kapitel. Der dritte Teil des Buches befaßt sich mit Grenouilles Reise nach Grasse und seinen Morden die dazu dienen sein Lebensziel, das „perfekte Parfum“, den „perfekten“ Menschengeruch zu erschaffen; welche in 16 Kapiteln behandelt wird. Grenouilles Tod wird im vierten und letztem Teil des „Parfums“ , mit nur einem Kapitel, abgehandelt. Somit befaßt sich die „Mittelachse“ des Romans mit dem Entwicklungsprozess der Hauptperson vom Jugendlichem zum Erwachsenen und dem entscheidenden Schritt zu seiner Selbstfindung: Der Entdeckung seines fehlenden Eigengeruchs. Im Hinblick auf die innere Entwicklung der Hauptfigur liegt der Höhepunkt also in der „Mitte“ des Romans. Im Hinblick auf die äußere Entwicklung der Geschehnisse liegt der Höhepunkt im dritten Teil, in dem die „Geschichte eines Mörders“ erzählt wird, wobei in diesem Teil auch die gängigen Stilmittel eines Krimis verwendet werden. Im Hinblick auf die Personenkonstellation ergibt sich das Grenouille die Hauptfigur ist die keinen Gegenspieler hat sondern bestenfalls Mitspieler.
Sprache und Stil
Sicher auch mitverantwortlich für den Erfolg des Romans ist die Sprache. Zu Beginn des Buches stellt der Autor die These auf, dass unsere Sprache nicht zur Beschreibung der „riechbaren Welt“ tauge. Es scheint als wolle er mit seinem Werk das Gegenteil beweisen. Da die Hauptfigur die Umwelt nahezu ausschließlich olfaktorisch erfasst, liegt es auf der Hand dass auch Süskind jedes Wesen, die Umgebung jeder einzelne Gegenstand anhand seines Geruches beschreibt, ja sogar über ihn definiert wird, indem er in die kleinsten Geruchsnuancen differenziert wird. Zur Beschreibung der Düfte werden immer wieder Vergleiche herangezogen, so z.B.: „Der König stinkt wie ein Raubtier, die Königin wie eine alte Ziege“ oder: „Der Schweiß des Mädchens riecht frisch wie Meerwind, ihr Haar wie Nussöl.“Um den Leser die Nuancen eines Duftes sprachlich zu veranschaulichen, verwendet der Autor aber auch Kontraste. So ist Pelissiers Parfum „frisch, aber nicht reißerisch“ und „blumig ohne schmalzig zu sein“ und es besitzt „Tiefe“ und ist doch nicht „schwülstig“. Bereits im ersten Kapitel des Romans stoßen wir auf das Stilmittel der Wiederholung. So finden wir das Wort „stinken“ im ersten Kapitel gleich 17 mal. Trotzdem wirken diese Wiederholungen keineswegs langweilig oder lähmend, und der Text verliert auch nicht an Flüssigkeit. Ein weiters Stilmittel sind Aufzählungen, die bei Süskind fast schon zu lang ausfallen. So z.B. auf Seite 33 , wo Holzarten aufgezählt werden um zu zeigen, wie differenziert Grenouilles Riechvermögen ist: „Bald roch er nicht mehr bloß Holz, sondern Holzsorten, Ahornholz, Eichenholz, Kiefernholz, Ulmenholz, Birnbaumholz, altes, junges, morsches, modriges, moosiges Holz, ja sogar einzelne Holzscheite, Holzsplitter und Holzbrösel.“
Erklärungen:
Auktoriale Erzählsituation
In der auktorialen Erzählsituation gehört der Erzähler selbst nicht zu der Geschichte, die er erzählt, sondern tritt deutlich als Urheber und Vermittler der Geschichte in Erscheinung. Der Erzähler ist also selbst nicht Teil der dargestellten Welt, sondern schildert sie „allwissend“ von außen, weswegen er auch oft als allwissender Erzähler bezeichnet wird.
Olfaktorische Wahrnehmung
Die Riechwahrnehmung (lat. olfacere „riechen“), auch Geruchssinn, olfaktorischer Sinn oder olfaktorische Wahrnehmung, bezeichnet die Wahrnehmung von Geruch.
Monolog
Der Monolog (griech.: allein; logos: Rede) ist im Gegensatz zum Dialog ein Selbstgespräch und findet vor allem im Drama Verwendung. Er richtet sich nicht direkt an einen Zuhörer, sondern an eine imaginäre Person. Faktisch ist natürlich das Publikum Adressat des Monologisierenden. Eine Sonderform des Monologs ist der innere Monolog in der Erzählprosa.
Der Ausdruck Monolog bezeichnet auch eine Rede, die so formuliert ist, als sei sie nicht an einen Zuhörer oder Gesprächspartner gerichtet.
Meistens wird damit nicht das alltägliche Selbstgespräch bezeichnet, sondern der bewusste Einsatz des alleinigen Redens, in der Kunst, vor allem im Theater und in der Literatur, zusammen mit Gesten. Dort dient der Monolog häufig dazu, Gedanken und seelische Vorgänge einer Person hörbar oder lesbar nach außen zu tragen und damit für Zuschauer oder Leser deutlich werden zu lassen.
